Liebe Zionsgemeinde, liebe Leser,

als ich kürzlich in unsere Wohnung trat, wurde mir der Weg verstellt. Nicht von Familienmitgliedern oder bauarbeitenden Gemeindegliedern. Unser Flur stand voll mit Äpfeln. Gleich mehrere Menschen hatten uns ein fruchtiges Willkommens-Geschenk gemacht. Und so saßen wir plötzlich zwischen Apfelkörben, getrockneten Fruchtscheiben und leckerem Apfelmus. Wer diese Wochen seine Obsternte einholte oder an unseren Wegen und Straßen die vollen Bäume sah, dem mag es da ähnlich ergangen sein wie uns. Wir staunen über die reiche Ernte und die unterschiedlichen Früchte, die Gottes Erde hervorbringt. Da wird sichtbar, was wir oft an unseren Tischen beten: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich...“ Gott schenkt uns viel in seiner Schöpfung.

Doch dieses Jahr war zugleich auch ein Jahr der Erntesorge. Der heiße Sommer hatte manche Früchte sehr früh reif werden lassen und die Erntemenge dadurch deutlich verringert. Grund zur Sorge ist dies für viele, weil wir zunehmend erkennen, dass die Sommerrekorde und Extremwetter der letzten Jahre nicht nur Folge natürlicher Abläufe sind. Vermutlich hat all dies mehr mit unserem menschlichen Handeln zu tun, als wir es lange dachten. Unser Streben nach immer mehr und die Idee der unbegrenzten Möglichkeiten haben uns vielfach zu einer schöpfungsvergessenen Lebensweise geführt.

Martin Luther hat es einmal so auf den Punkt gebracht: „Wenn wir Gottes Schöpfung von Herzen glaubten, handelten wir auch dementsprechend und gingen nicht so stolz umher (...) Davon würde unser Herz warm werden und dazu bewegt, dankbar zu sein und all diese Güter zu Gottes Ehre und Lob zu gebrauchen“ (Großer Katechismus, 1. Artikel). Wenn wir also Gottes Schöpfung bekennen und uns an ihrem Segen freuen, dann hat das eine Auswirkung auf unser Tun und Handeln in der Schöpfung.

Wenn wir in diesen Tagen das Erntedankfest feiern, dann lasst uns Gottes Schöpfung feiern und unser Herz erwärmen zu einem ehrenden und dankenden Gebrauch von Gottes Schöpfungsgaben. Wie das aussieht?

Hier ist jeder selbst gefragt, kreativ zu werden: Wie kann ich mit meiner Lebensweise den Schöpfer ehren und ihm danken? Als Gemeinde tun wir dies am Erntedankfest dadurch, dass wir unsere Kollekte für das diakonische Werk der SELK sammeln und damit mit bedürftigen Menschen teilen, was uns von Gott gegeben ist. Denn „er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich“.

Gottes Schutz und Segen in diesen Herbsttagen sowie Freude und Kreativität in Gottes Schöpfung wünscht Ihnen

Ihr Pfarrvikar Daniel Schröder

Der Gemeindebrief Sept-Nov 2018 liegt vor. Eine Download-Version ist in Vorbereitung